Einst war vielfach klar, dass der Sohn oder die Tochter den Familienbetrieb übernimmt. Heute ist Nachfolge keine Selbstverständlichkeit mehr. Die nächste Generation verfügt über mehr berufliche Möglichkeiten, verfolgt eigene Vorstellungen und will nicht automatisch das Lebensmodell der Eltern fortsetzen. Damit wird die externe Betriebsübernahme zu einem zentralen wirtschaftlichen Thema.
Wie groß ist diese Nachfolgelücke tatsächlich – und weshalb betrifft sie nicht nur einzelne Unternehmerfamilien, sondern den gesamten Wirtschaftsstandort Österreich?
Zwischen 2025 und 2034 stehen in Österreich rund 52.500 Arbeitgeberunternehmen zur Übergabe an. Davon hängen etwa 705.000 Arbeitsplätze ab. Bereits 2024 wurden 7.792 Betriebe erfolgreich übergeben – knapp fünf Prozent mehr als im Jahr davor.
Noch finden rund 55 Prozent der Übergaben innerhalb der Familie statt. Bereits 45 Prozent erfolgen jedoch extern. Dieser Anteil dürfte weiter steigen: Viele Unternehmer aus der Babyboomer-Generation erreichen das Pensionsalter, während die Übernahme durch die eigenen Kinder längst keine Selbstverständlichkeit mehr ist.
Die nächste Generation verfügt über mehr berufliche Möglichkeiten und verfolgt eigene Vorstellungen von Unternehmertum, Arbeitszeit und Lebensgestaltung. Gleichzeitig führen kleinere Familien langfristig zu weniger potenziellen Nachfolgern. So sank die durchschnittliche Kinderzahl pro Frau in Österreich 2025 auf 1,29.
Scheitert eine Übergabe, gehen nicht nur Unternehmen verloren. Betroffen sind auch Arbeitsplätze, Fachwissen, Kundenbeziehungen und regionale Wertschöpfung. Externe Nachfolger werden deshalb für den österreichischen Mittelstand immer wichtiger.
Was für den bisherigen Eigentümer eine existenzielle Herausforderung darstellt, kann für angehende Unternehmer eine außergewöhnliche Chance sein.
Eine Neugründung beginnt meist mit vielen Unsicherheiten: Gibt es ausreichend Nachfrage? Wie schnell lassen sich Kunden gewinnen? Wann wird die Gewinnzone erreicht? Und reicht die Liquidität für die Anlaufphase?
Bei einer Betriebsübernahme sind zentrale Grundlagen häufig bereits vorhanden: Kunden, Mitarbeiter, Lieferanten, Prozesse, Anlagen, Genehmigungen und laufende Umsätze. Historische Jahresabschlüsse zeigen zudem, ob das Geschäftsmodell funktioniert und wie stabil Kosten und Erträge tatsächlich sind. Das Risiko verschwindet dadurch nicht, es lässt sich aber häufig besser beurteilen als bei einer Gründung ohne wirtschaftliche Vergangenheit.
Dass Nachfolger nicht nur Bestehendes verwalten, belegen Zahlen der KMU Forschung Austria: 61 Prozent konnten den Umsatz steigern, 60 Prozent investierten mehr als ihre Vorgänger und 36 Prozent stellten zusätzliches Personal ein.
Auch der bisherige Eigentümer kann den Übergang begleiten. Bei 68 Prozent der untersuchten Übergaben blieb er zumindest vorübergehend beratend oder operativ eingebunden. Dadurch können Wissen, Kundenkontakte und Vertrauen schrittweise übertragen werden.
Vor dem Kauf müssen dennoch Risiken wie Inhaberabhängigkeit, Großkundenkonzentration, Investitionsstau oder ein überhöhter Kaufpreis sorgfältig geprüft werden.
Ein funktionierendes Unternehmen kann eine bessere Finanzierungsbasis bieten als eine reine Geschäftsidee. Entscheidend ist jedoch, wie Kaufpreis und Kapitalbedarf strukturiert werden.
Für die Finanzierung zählt nicht allein der Kaufpreis. Entscheidend ist, ob der Betrieb langfristig ausreichend Erträge erwirtschaftet, um Zinsen, Tilgung, laufende Kosten und notwendige Investitionen zu tragen.
Bei einer Neugründung finanziert die Bank vor allem Prognosen. Bei einer Übernahme kann sie zusätzlich auf tatsächliche Umsätze, Jahresabschlüsse, Kundenbeziehungen und bestehende Kostenstrukturen zurückgreifen. Ein profitabler Betrieb mit stabilen Cashflows kann deshalb leichter finanzierbar sein. In gut strukturierten Einzelfällen ist auch eine Übernahme mit vergleichsweise wenig Eigenkapital möglich – automatisch oder risikolos ist das jedoch nicht.
Neben einem Bankkredit können Verkäuferdarlehen, gestundete Kaufpreisteile, Ratenzahlungen, Beteiligungskapital oder erfolgsabhängige Kaufpreisbestandteile eingesetzt werden. Dadurch muss der Kaufpreis nicht zwingend vollständig am Übergabetag bezahlt werden.
Auch Förderinstrumente können unterstützen. Der aws erp-Kredit kann unter bestimmten Voraussetzungen sowohl bei einem Share Deal als auch bei einem Asset Deal eingesetzt werden. Fehlen ausreichende Sicherheiten, kann eine aws Garantie einen Teil des Kreditrisikos – grundsätzlich bis zu 80 Prozent – absichern.
Zusätzlich können Investitionen nach der Übernahme, etwa in Maschinen, Digitalisierung oder Energieeffizienz, förderfähig sein. Wichtig ist eine frühzeitige Prüfung, da Förder- und Garantieanträge häufig vor Projektbeginn oder Vertragsabschluss gestellt werden müssen.
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